Evaluation des Schulversuchs «Neue Ressourcierung»

Kurzbeschreibung

Mit dem Schulversuch «Neue Ressourcierung Volksschule» des Kantons Aargau werden folgende Ziele verfolgt:

  • Vereinfachung, Vereinheitlichung und Flexibilisierung der Ressourcenstrukturen
  • Vergrösserung des Handlungsspielraums der Schulen
  • Verbesserung der Planbarkeit des Ressourcenbedarfs
  • Reduktion des administrativen Aufwands
  • Verstärkung der Anreize für einen ökonomischen Umgang mit den verfügbaren Ressourcen

In Zusammenhang mit dem Schulversuch werden elf ausgewählten Schulen die Ressourcen für zwei Schuljahre im Sinne einer Schülerinnen- und Schülerpauschale zugewiesen. Der Schulversuch und dessen Evaluation durch das Institut für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie in Zusammenarbeit mit dem Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) sollen die Möglichkeiten und Grenzen einer pauschalierten Ressourcierung aufzeigen und Erkenntnisse für die Konzeption und Umsetzung einer flächendeckenden Einführung einer pauschalierten Ressourcierung liefern.

Hintergrund

Die Zuteilung der Ressourcen (Lehrpensen) für die Volksschule geschieht in einem komplexen System mit einer Vielzahl von verschiedenen zweckgebundenen Ressourcenarten, die unterschiedlich gesteuert werden. Das Projekt «Neue Ressourcierung Volksschule» strebt in einem Schulversuch ein einheitliches Ressourcenmodell an, realisiert im Form einer differenzierten Schülerinnen- und Schülerpauschale (SuS-Pauschale).

Ziel

Mit dem Projekt «Neue Ressourcierung Volksschule» sollen eine Vereinfachung und Flexibilisierung der Ressourcenverwendung sowie eine Vereinheitlichung der Ressourcenarten erreicht werden. Darüber hinaus vergrössert das Vorhaben den Handlungsspielraum beim Einsatz der Unterrichtslektionen erheblich und begünstigt den effektiven Einsatz von Unterrichtslektionen. Sie sollen so einen möglichst grossen pädagogischen Nutzen entwickeln. Gleichzeitig soll die Planbarkeit für den Kanton wie auch für die Schulen verbessert werden.

Design und Methodik

Im Projekt werden unterschiedliche methodische Zugänge genutzt, qualitative und quantitative Erhebungen, schriftliche Befragungen und Gruppeninterviews, mündliche und Online-Befragungen sowie eine quantitative Datenanalyse vorgenommen. Nach Fertigstellung der Evaluation wird diese einem externen Experten/Peer-Review unterzogen.

Ergebnisse

Erste Ergebnisse der externen Evaluation zeigen, dass der Schulversuch gut gestartet und auf Kurs ist. Diese grundsätzlich positive Einschätzung wird sowohl von den Schulleitenden wie auch vom Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) Abteilung Volksschule geteilt.

Die von den Schulen installierten Abläufe und Prozesse zur Verteilung der ihnen zur Verfügung gestellten Ressourcen haben sich weitgehend bewährt. Auch die Zusammenarbeit der Schulleitungen mit der BKS wurde weitgehend als positiv wahrgenommen. Rund ein Drittel der Lehrpersonen ist gemäss ihren Angaben in diese Prozesse eingebunden. Aus ihrer Sicht sind eine höhere Einbindung und eine grössere Transparenz seitens der Schulleitungen gewünscht. Der Aufwand der Prozesse hat sich nach Angaben der Schulleitungen und Lehrpersonen nicht grundsätzlich verändert. Ein etwas geringerer administrativer Aufwand vor allem an grösseren Schulen dürfte durch eine etwas gestiegene Komplexität der Prozesse ausgeglichen werden. Die Planungssicherheit hat nach den Angaben der Schulleitungen im Rahmen der neuen Ressourcierung zugenommen, was sehr begrüsst wird.

Bezüglich der Auswirkungen der pauschalierten Ressourcierung auf die Verteilung der Ressourcen sind bisher kaum Veränderungen festzustellen. Der Grad der vorgenommenen Veränderung an der Ressourcenverteilung schwankt jedoch zwischen den Schulen, was die Vermutung zulässt, dass sich aufgrund einer pauschalierten Ressourcierung spezifischer auf die Bedürfnisse der Einzelschule reagieren lässt. Mit einer Reduktion von hypothetisch 194 auf 111 Lektionen (-42%) ist einzig im Bereich «Verstärkte Massnahmen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen» (VM) über alle Versuchsschulen hinweg betrachtet ein etwas grösserer Rückgang zu beobachten. Ob diese Reduktion jedoch eine direkte Auswirkung des neuen Ressourcierungsmodells darstellt, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilt werden. Dies gilt es sicher weiter zu beobachten. Im Grundsatz geht es dabei um die Klärung der Frage, in wieweit personengebundene Ressourcen pauschalisiert werden können oder sollen und welche Folgen dies für die betroffenen Anspruchsgruppen hat.

Sowohl die Lehrpersonen als auch die Schulleitenden der Versuchsschulen halten das neue Ressourcierungsmodell für tendenziell innovationsfördernd, an einigen Schulen sind aufgrund der Ressourcierung bereits neue Unterrichtsformen entstanden oder geplant (wie bspw. die Einführung oder Weiterentwicklung altersdurchmischter Lerngruppen oder Beratungslektionen).

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