Integrative Schule – Die Rolle von Schulleitung, Lehrpersonen und Fachpersonen der integrativen Förderung für die Entwicklung der Qualität von Bildung

Für das Forschungsprojekt ist die Perspektive von Schulleitungen, Lehrpersonen und Fachpersonen Sonder- und Heilpädagogik/Integrative Förderung von grosser Bedeutung. Wir bitten Sie als Schulleitende darum, an unserer Studie teilzunehmen und Ihre Mitarbeitenden zu unserer Befragung einzuladen.
Mit Ihrer Teilnahme und der Teilnahme Ihrer Mitarbeitenden an der Befragung unterstützen Sie uns im Rahmen unserer Forschung mit und für die Praxis.

Unser Angebot an Sie
Auf Wunsch erstellen wir einen vertraulichen Bericht mit den Ergebnissen der Befragung Ihrer Schule. Sie können zu Beginn der Befragung für Schulleitungen Ihre Emailadresse angeben, an die der vertrauliche Bericht zu senden ist.

Damit wir die Daten Ihrer Schule in anonymisierter Art und Weise kombinieren können, bitten wir Sie um die Vergabe eines von Ihnen selbst zu bestimmenden Codes (s. Hinweis-Box unten), den Sie bitte an Ihr Kollegium weitergeben. Dieser wird in Ihrem und im Fragebogen für Lehr- und Fachpersonen abgefragt.

Hinweise zum Schul-Code Den Schul-Code benötigen wir für die Zusammenführung der Befragungsergebnisse aus den verschiedenen Personengruppen sowie, auf Wunsch, für die Erstellung Ihres vertraulichen Schulberichts. Wir wissen dann, wer zu welcher Schule gehört.

Der Schul-Code besteht aus zwei Elementen:

  • einer mindestens vierstelligen Buchstabenfolge
  • einer mindestens vierstelligen Zahlenfolge

Beispiel eines Schul-Codes: BXUQ7461

Erstellen Sie einen genug komplexen Code, damit dieser nicht zufällig mit dem Code einer anderen Schule identisch ist. Bitte verwenden Sie aus Datenschutz-technischen Gründen keine Elemente, die mit Ihrer Schule in Verbindung gebracht werden können.

Links zu den Fragebögen
Befragung für Schulleitende
Befragung für Mitarbeitende (Lehrpersonen, Sonderpädagog*innen, Sozialpädagog*innen, schulische Mitarbeitende)

Die Bearbeitung des Fragebogens dauert ca. 30 Minuten und kann jederzeit unterbrochen werden.

Das Forschungsprojekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt. Zentrale Informationen in Form einer Projekt-Kurzbeschreibung enthält das Factsheet.

Schulen und Kantone stehen vor der Aufgabe, einen an Integration orientierten Transformationsprozess zu initiieren und durchzuführen. In der Gestaltung integrativer Praxis divergieren die Konzepte (z.B. im Hinblick auf Personaleinsatz, Ressourcierung, Definition von besonderem Bildungsbedarf, Anforderungen an Schulleitungen) und Strukturen trotz Harmonisierung der kantonalen Schulsysteme. Zentrale «Change Agents» in diesen Schulentwicklungsprozessen sind die Schulleitungen, denen dabei eine bedeutende Rolle zukommt (Fullan, 1998; vgl. Schratz, 1998b).

In der geplanten Studie sollen mittels einer Dokumentenanalyse die rechtlichen Vorgaben und konzeptionellen Überlegungen analysiert sowie Qualifizierungsmöglichkeiten, Unterstützungsangebote und Ausstattungsoptionen, die in den Deutschschweizer Kantonen vorliegen, zusammengestellt werden. Weiter soll untersucht werden, welche Rolle Ausgangs-, Prozess-, sowie Ergebnis-Qualitätsmerkmale und deren Zusammenhänge hinsichtlich der Gestaltung integrativer Praxis in Schule spielen. Hierbei geht es insbesondere um:

  • Einstellungen und Kompetenzen
  • Handlungskoordination und Kooperation im Schulkollegium
  • Professionelles Handeln im Unterricht und in Erziehung

Hier finden Sie das Factsheet zur Studie.

Ziel der Studie ist die Analyse kantonaler und schulspezifischer Anforderungen und Ressourcen sowie Qualitätsmerkmale. Dazu gehören auf kantonaler Ebene rechtliche Vorgaben, konzeptionelle Überlegungen sowie Qualifizierungsmöglichkeiten, Unterstützungsangebote sowie Ausstattungsoptionen. Auf schulorganisationaler Ebene handelt es sich um Ausgangs-, Prozess- sowie Ergebnis-Qualitätsmerkmale und deren Zusammenhänge, insbesondere Einstellungen und Kompetenzen (als Merkmale der Professionalität), Handlungskoordination und Kooperation im Schulkollegium (als Merkmale der Schulqualität) sowie professionelles Handeln im Unterricht und in Erziehung (als Merkmale der Umsetzung) hinsichtlich der Gestaltung integrativer Praxis in Schulen.

Ein Anliegen dieser Studie ist es, die beiden Forschungsbereiche zu Schulqualität, Schulentwicklung und Schulleitung einerseits und zu Integration andererseits in der Schweiz zu betrachten und miteinander zu verknüpfen.

Die zu erwartenden Ergebnisse liefern empirisch gestützte Erkenntnisse zur Entwicklung von Integration in Schule. Neben dem wissenschaftlichen Erkenntnispotenzial verspricht die Studie für die Bildungspolitik, die Schulverwaltung und Schulaufsicht sowie die pädagogische Leitungspraxis von Schulen relevante Entwicklungsimpulse.

Der Studie liegen folgende zwei Fragestellungen zugrunde:

  • Welche rechtlichen Vorgaben, konzeptionellen Überlegungen sowie Qualifizierungsmöglichkeiten, Unterstützungsangebote und Ausstattungsoptionen liegen vonseiten der Deutschschweizer Kantone vor?
  • Welche Rolle spielen Ausgangs-, Prozess-, sowie Ergebnis-Qualitätsmerkmale und deren Zusammenhänge, insbesondere …
    • … Einstellungen und Kompetenzen (als Professionalitätsmerkmale)
    • … Handlungskoordination und Kooperation im Schulkollegium (als Schulqualitätsmerkmale)
    • … sowie professionelles Handeln im Unterricht und in Erziehung (als Umsetzungsmerkmale
    • … hinsichtlich der Gestaltung integrativer Praxis in Schulen?

Dokumentenanalyse

Trotz Harmonisierung der kantonalen Schulsysteme divergieren die Integrationskonzepte (z.B. Personaleinsatz, Ressourcierung, Definition von besonderem Bildungsbedarf, Anforderungen an Schulleitungen) und Strukturen. Auf Basis der bereits von Wicki (2020a, 2020b, 2020c, 2021a, 2021b) durchgeführten Dokumentenanalyse soll nun weiterführend nach Detaillierungsgrad hinsichtlich konzeptioneller Überlegungen analysiert werden. Weiter werden Qualifizierungsmöglichkeiten, Unterstützungsangebote und Ausstattungsoptionen zusammengestellt. Daher ist in einem ersten Schritt die Katalogisierung und Aufbereitung von Gesetzen, Verordnungen, Strategiepapieren und Konzeptionen der Deutschschweizer Kantone hinsichtlich Zielvorstellungen (im Sinne von SMART-Zielen als Operationalisierungsgrössen) und Massnahmen zur Zielerreichung (Umsetzungspraxen) für Integration in einer Synopse mittels Dokumentenanalyse geplant. Diese dient als Grundlage für die quantitative Fragebogenerhebung und als Kontextualisierung der quantitativen Ergebnisse.

Quantitative Analyse

Die quantitativen Analysen basieren auf Online-Befragungen von Schulleitungen, Lehrpersonen sowie von Fachpersonal Sonder- und Heilpädagogik und gegebenenfalls statistischen Informationen über die Schulen.

Alle datenschutzrechtlichen Bestimmungen werden von uns eingehalten. Das heißt konkret, dass

  • alle Daten streng vertraulich behandelt und nur von Personen eingesehen werden, die am Institut für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie (IBB) arbeiten.
  • Ergebnisse nicht auf die Angaben einzelner Personen oder Schulen zurückgeführt werden können und

nur für den mit der Befragung verbundenen Zweck verarbeitet werden. Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.

Der in 2014 durch die UN-BRK (2006) ratifizierte Prozess gleichberechtigter Teilhabe trägt wesentlich zur Entwicklung hin zu integrativer Gesellschaft bei. Gleichzeitig stellen die Etablierung und Umsetzung integrativer Bildung eine herausfordernde, grundlegende Entwicklungsaufgabe für Schulen dar. Ein in den 1980er Jahren initiierter, gesetzlich begleiteter Entwicklungsprozess zugunsten von Integration – statt Separation – von Schülerinnen und Schülern mit „besonderem Bildungsbedarf“ wird durch die Ratifizierung der UN-BRK (2006) 2014 bestärkt.

Schulentwicklung und erfolgreiches Schulleitungshandeln sind stark von den Vorgaben, die existieren, sowie von den Ressourcen, die vorhanden sind, geprägt. Ressourcen beziehen sich sowohl auf die personale, die organisatorische, sowie auch auf die systemische Ebene, weiterführend erfolgt der Einsatz, die sogenannte Ressourcenverteilung, welche sich an den entsprechenden Vorgaben orientieren muss. So stellt sich gleichzeitig die Frage, wie die Ressourcen und Vorgaben ausbalanciert sind und wie diese Balance von den schulischen Akteuren erlebt wird. So gilt es zu wissen, welche Vorgaben und Unterstützungssysteme bestehen und wie es um die persönlichen und organisationalen Ressourcen bestellt ist. Zu persönlichen Ressourcen gehören beispielsweise Motivation, Einstellung, oder Selbstwirksamkeit. Auf organisationaler Ebene sind unter anderem Ressourcen wie die Kooperation oder die soziale Unterstützung angesiedelt.

Professionelles Handeln (im schulischen Kontext) ist von motivationalen Orientierungen und selbstregulativen Fähigkeiten abhängig (Baumert & Kunter, 2006). Einstellung und Selbstwirksamkeit sind somit zentral für das erfolgreiche Handeln der schulischen Akteure bei der potenziell belastenden Umsetzung von integrativem Lernen (vgl. Bosse u. a., 2016).

Der produktive Umgang mit Heterogenität als integrative Schul- und Unterrichtsentwicklungsmassnahme kann nur durch die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams gelingen (Lütje-Klose & Urban, 2014). Begünstigende Aspekte der Kooperation werden oft vorschnell nur professionsintern in Bezug auf Schuleffektivität und Schülerleistungen betrachtet, sind aber auch «Grundlage für die Öffnung hin zu anderen Professionen» (Maykus, 2009b, S. 309). Da ein hohes Niveau multiprofessioneller Kooperation trotz deren zentraler Rolle in integrativen Unterrichts- und Schulentwicklungsprozessen oft nicht erreicht wird, messen Lütje-Klose und Urban der «Gestaltung kooperativer Strukturen und Prozesse» eine «besondere Aufmerksamkeit» zu (2014, S. 112).

Generell gelten Schulleitungen als zentrale Akteure bei der Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität schulischer Arbeit. Der Stand der Forschung zeigt, dass die Schulleitung dabei eine entscheidende Rolle spielt (Amrhein, 2014; Criblez et al., 2012; Hattie et al., 2013; Sturm et al., 2015, S. 203). Schulleitungen haben insbesondere die Aufgabe, langfristige Strukturen für integrative Kulturen zu schaffen, integrative Haltungen zu entwickeln und diese im Schulprogramm oder -leitbild zu verankern (Merz-Atalik, 2014) sowie die Einstellungen der Lehrpersonen und die der Eltern positiv zu beeinflussen (Ainscow, 2013; Ainscow et al., 2013). Die verschiedenen Ebenen und Faktoren, die zusammenspielen und bei der Evaluation und Qualitätssicherung im Bildungsbereich beachtet werden müssen, hat Cronbach (1972) in seinem Strukturmodell abgebildet. Bedeutsame Faktoren in der Arbeit von Schulleitungen sind ein demokratischer und mitarbeiterorientierter Führungsstil im Sinne einer Bereitschaft zur Gestaltung von kollektiven Entwicklungsprozessen durch den Einbezug der Akteure (Harris & Chapman, 2002; Lyra, 2012).

Input-Throughput-Output Modell – Das Strukturmodell der Studie

Abbildung 1: Strukturmodell (in Anlehnung an Cronbach 1972, zitiert in Ditton 2002, S. 776; vgl. auch Huber, Hader-Popp, & Schneider 2014, S. 19)

Das Strukturmodell der Studie bildet zentrale Wirkmechanismen im Schulentwicklungsprozess ab. Diese lassen sich in Input-, Throughput- und Output-Merkmale aufteilen.

Input-Merkmale umfassen Ausgangssituationsmerkmale bzw. Rahmenbedingungen wie die personelle, sachliche und finanzielle Ausstattung sowie Merkmale der Schülerschaft. Als Throughput werden Prozessmerkmale und Zwischenergebnisse bezeichnet. Sie beinhalten u.a. die Handlungskoordination, die über Schulmanagement und Schulentwicklung gestaltet wird. Output bzw. Ergebnismerkmale können auf Organisationsebene (Schulqualität) und auf Ebene der Schülerinnen und Schüler (z.B. Unterricht, Leistungsergebnisse) modelliert werden. Abbildung 1 stellt die Konstrukte der Studie dar (Huber et al., 2014).

  • INSL – Empfehlungen und Praxischeck

Die formulierten theoretischen Überlegungen zu schulischer Integration können als Empfehlungen, aber auch als Handlungspraktiken zur Analyse der eigenen Schulsituation dienen. Somit ist es auch möglich, sie als Checkliste zur Einschätzung des Ausmaßes der entsprechenden Handlungspraxis zu nutzen, um Handlungsmöglichkeiten für die schulspezifische integrative Schulentwicklung zu identifizieren und dann Prioritätensetzungen vorzunehmen.

Die Erhebung wird durchgeführt durch Prof. Dr. Stephan Gerhard Huber. Prof. Huber forscht schwerpunktmäßig zur Qualität von Bildung und damit in den Bereichen Schulqualität, Schulentwicklung und Personalentwicklung/Professionalisierung von schulischen Akteuren. Er arbeitet in der Schweiz, Deutschland und Österreich seit über 20 Jahren in verschiedenen Projekten, u.a. zur Förderung von Lehramtsstudierenden, zur Wirksamkeit der Lehrerfortbildung, als wissenschaftliche Begleitung von Modellprojekten und Schulversuchen, z.B. zur Eigenverantwortlichen Schule, sowie Schulentwicklungsprojekten und der Schulleitungsqualifizierung. Er veranstaltet seit 2004 das Bildungs- und Schulleitungssymposium – World Education Leadership Symposium WELS.

Prof. Huber wird bei dieser Studie von Mitarbeitenden seines Instituts unterstützt.
Informationen über das Institut und Prof. Huber sind unter www.Schulentwicklung.net zu finden.

   

Marius Schwander, Anna Zoss, Jane Pruitt, Manuela Egger

Leitung der Studie und Ihre Ansprechperson für sämtliche Fragen zur Studie
Prof. Dr. Stephan Gerhard Huber

Wissenschaftlicher Leiter IBB – PH Zug
Telefon: +41 41 727 12 69
E-Mail: stephan.huber@phzg.ch

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