YASS: Young Adult Survey Switzerland der Eidgenössische Jugendbefragungen ch-x

Kurzbeschreibung

Die Eidgenössische Jugendbefragung ch-x (ehem. pädagogische Rekrutenprüfung) setzt jeweils im Abstand von vier Jahren für zwei Jahre identische Fragen-Sets ein, um daraus Trendaussagen über die junge Generation ableiten zu können.

Das IBB hat zusammen mit drei weiteren Hochschulinstituten ein Fragebogeninstrumentarium entwickelt und getestet, welches im Jahr 2010 das erste Mal eingesetzt wurde. Das IBB hat die Projektkoordination inne, für die drei Themenbereiche wurden folgende erfahrene Forschungspartner verpflichtet: „Bildung und Beruf“ wird von PD Dr. Urs Moser, Institut für Bildungsevaluation der Universität Zürich, „Gesundheit und Sport“ von Prof. Dr. Dr. Thomas Abel, Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern und „Politik und öffentliches Leben“ von Prof. Dr. Sandro Cattacin, Département de Sociologie der Universität Genf.

Hintergrund

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Pädagogischen Rekrutenprüfungen (PRP) das Instrument, sich mittels weniger schulischer Leistungsmessungen über seine Jugend zu informieren und ein Bild über den elementaren Schulbildungsstand in den Kantonen zu erhalten. In dem Masse, in dem die sozialwissenschaftliche Forschung in der Schweiz ab den 1960er Jahren an Breite gewann, tauchten Ideen auf, wie die PRP neu als Instrument einer breit angelegten Jugendforschung genutzt werden könnten. Anfang des neuen Jahrtausends schliesslich wurden mit dem Übergang zu Befragungen von allen männlichen Stellungspflichtigen in den Rekrutierungszentren der Armee und der Einführung einer schweizweit repräsentativen Zusatzstichprobe von jungen Frauen aus den PRP die Eidgenössischen Jugendbefragungen ch-x.

Die Befragungen werden heute öffentlich ausgeschrieben und in der Regel von Hochschulinstituten konzipiert und ausgewertet. Die Befragungszyklen dauern stets zwei Jahre und widmen sich aktualitätsorientiert wechselnden jugendpolitischen Einzelthemen.

Bis heute fehlte allerdings ein Instrument der jährlichen Befragungen bei der stets gleichen Altersgruppe, das geradezu ideale Voraussetzungen dafür bietet, Veränderungen und Stabilität von Einstellungen und Werthaltungen der Generation auf der Schwelle vom Jugend- zum Erwachsenenalter durch wiederholte Erhebungen mit dem gleichen Fragebogen zu erfassen. Nun gehen die Eidgenössischen Jugendbefragungen ch-x daran, diese Lücke zu füllen. Das neue, im Folgenden vorgestellte interdisziplinäre Langzeitprojekt nennt sich „Young Adult Survey Switzerland“ (YASS)1.

Seit 2018 werden die zuvor mit einem papierenen Fragebogen durchgeführten Erhebungen durch Tabletbefragungen in den Rekrutierungszentren und durch internetgestützte Befragungen von jungen Frauen ersetzt. Die Gewährleistung der Anonymität der Befragten bleibt ungefährdet.

Junge Erwachsene gelten als Träger des sozialen Wandels. Sie sind Pioniere in der Entwicklung einer Lebensführung, die auf die jeweils neuesten kulturellen, ökonomischen und sozialen Veränderungen der Gesellschaft reagiert. Das neu konzipierte Langzeitprojekt verspricht wertvolle Aufschlüsse über junge Erwachsene an der Schwelle vom Jugend- ins Erwachsenenalter.

Internationaler Vergleich

YASS ist in seinem Design einmalig. Der Vergleich zum Ausland zeigt, dass es kaum vergleichbare breit und auf regelmässige Wiederholungen hin angelegte multithematische Jugendbefragungen gibt. Bekannt sind auch in der Schweiz die Deutschen Shell Jugendstudien, die seit 1953 regelmäßig durchgeführt werden und die in Abständen von 4-6 Jahren jeweils einen Lagebericht veröffentlichen. Die meisten Jugendstudien beziehen sich zudem auf die Generation der 10- bis 18-Jährigen, YASS hingegen auf die Schwellenaltergeneration der 19-/20-Jährigen (Huber/Hurrelmann, YASS-Band 1, 2016, S. 25ff).

Befragungsrhythmus

Als ideales Instrument für solche «Messungen» am Puls der jungen Erwachsenen beiderlei Geschlechts erweisen sich die sich zyklisch wiederholenden repräsentativen Erhebungen der Eidgenössischen Jugendbefragungen ch-x. Die Befragungen erfolgen stets über zwei Kalenderjahre. Die erste YASS-Erhebung fand 2010/2011 statt. Eine erste Wiederholung erfolgte 2014/ 2015. Der dritte Befragungszyklus erfolgte 2018/ 2019. Wegen der Covid-19 Pandemie wird es zu einer Verzögerung kommen, so dass die nächsten Daten 2024/25 erfasst werden.

Befragtenpopulationen

Die Erhebungen erfolgen anlässlich der Aushebung in den sechs schweizerischen Rekrutierungszentren und erfassen so jeweils das Gros der Schweizer Männer im stellungspflichtigen Alter. Mittels einer national repräsentativen Ergänzungsstichprobe werden daneben auch ca. 3‘000 zufällig ausgewählte Frauen im Alter von 19 Jahren an ihrem Wohnort bzw. seit 2018 über das Internet befragt, was in etwa 5 Prozent der 19-jährigen weiblichen Population in der Schweiz entspricht. Die Rücklaufquoten der bisherigen Erhebungen von jeweils rund 60-90 Prozent lassen sich auf die Qualität des Fragebogens und die persönliche Kontaktierung durch ch-x Mitarbeitende (ca. 100) zurückführen.

Erwarteter Mehrwert

Durch die weitgehend identischen Befragungen alle 4 Jahre werden detaillierte und vergleichbare Daten zur Lage und Entwicklung der jungen Erwachsenen erhoben, die in der Schweiz bis anhin in dieser Form fehlen. Dieser Rhythmus ermöglicht ein dauerhaftes Monitoring, das mehrere Vorteile bietet: Mit dem Instrument zur Dauerbeobachtung der Lebensverhältnisse sowie gesellschaftlicher und politischer Orientierungen junger Erwachsener lassen sich einerseits Veränderungen rückblickend beschreiben wie auch andererseits sich abzeichnende Tendenzen aufzeigen. Es ist offensichtlich, dass die Resultate dieser Langzeiterhebung erst kumulativ, d.h. mit jeder weiteren Erhebung, an Aussagekraft gewinnen werden. Das Aufzeigen von Trends und Tendenzen ist denn auch das primäre Ziel des Projektes. Ein grosser Vorteil liegt in der grossen und nahezu alle Bildungs- und Einkommensschichten umfassenden Stichprobe der jungen Schweizer Erwachsenen. Möglich sind Analysen und Aussagen bis auf die Ebene einzelner Kantone und politischer Bezirke. Zudem lässt der grosse Stichprobenumfang es zu, gezielt aussergewöhnliche Gruppen (sog. Problemgruppen hinsichtlich Drogen, Gewaltneigung, Bildungsferne usw.) und die typischen Übergangsprobleme vom Jugendlichen zum Erwachsenen (Transitions- bzw. Rite de passage-Forschung) zu analysieren. So tragen die Resultate zur politischen Entscheidungsfindung und zur Verbesserung der Dienstleistungen für junge Erwachsene bei.

1 Die englische Bezeichnung Young Adult Survey Switzerland wurde gewählt, weil der Begriff „junge Erwachsene“ in den drei Landessprachen keine griffige Übersetzung zuliess. Die Befragtenpopulation der Eidgenössischen Jugendbefragungen besteht eben nicht aus Jugendlichen, sondern aus jungen Erwachsenen. Immerhin erinnert die Abkürzung YASS an eine schweizerische Eigenart.

YASS Forschungsteam

Für das Langzeitprojekt konnte nach einer öffentlichen Ausschreibung ein Team von Wissenschaftlern der Pädagogischen Hochschule Zug (Leitung) sowie der Universitäten Bern, Genf und Zürich gewonnen werden.

Prof. Dr. Stephan Gerhard Huber

Institut für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie der Pädagogischen Hochschule Zug

Projektleitung / Leitung des Forschungskonsortiums

Prof. Dr. Urs Moser (bis Ende 2018)

Institut für Bildungsevaluation, assoziiertes Institut der Universität Zürich

Forschungspartner Bildung, Arbeit und Beruf

Prof. Dr. Dr. Thomas Abel

Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern

Forschungspartner Gesundheit und Sport

Prof. Dr. Sandro Cattacin

Institut de Recherches Sociologiques d’Université de Genève

Forschungspartner

Politik und zivile Verantwortung

Publikationen

YASS erhält eine eigene Berichtsplattform. Mittels einer speziellen YASS-Publikationsreihe sollen die aktuellen Befunde der Erhebungen in zyklischen Abständen mehrsprachig publiziert werden. Der erste Berichtsband stellt die Ziele und Methoden des neuen Projektes und zudem exemplarisch einige Ergebnisse der ersten Befragung vor. Der 2019 erschienene Band 2 ermöglicht erstmals konkrete Vergleiche zweier Erhebungspunkte und deren Erläuterung. Band 1 und Band 2 können auf der Website der ch-x (www.chx.ch) abgerufen werden.

Ausgewählte Befunde im zweiten Berichtsband

Im zweiten aufliegenden Berichtsband (YASS-Band 2, 2019) werden ausgewählte Resultate des Vergleichs zwischen Befragungszyklus 2010/11 und 2014/15 vorgestellt. Sie betreffen u.a.

Junge Erwachsene mit finanziellen Problemen

Die YASS-Studie 2014/15 zeigt: Rund 30 Prozent der jungen Erwachsenen in der Schweiz waren bereits einmal mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert. Dabei ist deren Anteil in der Deutsch-schweiz deutlich tiefer ist als in der Französischen Schweiz. Zudem zeigt sich auch 2014/15, dass junge Erwachsene ohne nachobligatorische Ausbildung häufiger mit finanziellen Problemen konfrontiert sind als jene mit einer Berufsbildung oder einer Allgemeinbildung. Unabhängig von der eigenen Ausbildung ist das Risiko, mit finanziellen Problemen konfrontiert zu sein, für junge Erwachsene aus Familien mit (sehr) bescheidenen finanziellen Verhältnissen grösser als für junge Erwachsene aus Familien mit sehr guten finanziellen Verhältnissen. Dieser Effekt hat sich im Vergleich zu YASS 2010/11 jedoch deutlich verringert. Finanzielle Schwierigkeiten gehen ferner auch 2014/15 mit einer grösseren Wahrscheinlichkeit einher, eine Depression zu entwickeln.
(weitere Informationen in YASS-Band 2, 2019, S. 128ff)

Politische Ausrichtung junger Schweizerinnen und Schweizer

Die aktuellen Ergebnisse der YASS-Erhebung 2014/15 zeigen: Der Trend einer zunehmenden Polarisierung zugunsten der politischen Rechten lässt sich nicht wiederfinden. Es zeigt sich vielmehr, dass die politische Mitte bei jungen Erwachsenen in der Schweiz als stärkste Kraft an Bedeutung gewonnen hat. Sowohl die YASS-Ergebnisse 2010/11 als auch jene von 2014/15 verdeutlichen, dass junge Erwachsene mit Migrationshintergrund sich auffallend häufiger politisch links einstufen als ihre Altersgenossen ohne Migrationshintergrund. Die Bedeutung der Bildung für die politische Einstellung bleibt über die beiden Erhebungszeitpunkte praktisch unverändert. Linke Einstellungen sind in abgeschwächter Tendenz – insbesondere bei jungen Erwachsenen ohne Ausbildung und mit einer Allgemeinbildung vertreten, rechte Einstellungen finden sich insbesondere bei jungen Erwachsenen mit einer Berufsbildung.
(weitere Informationen in YASS-Band 2, 2019, S. 72ff)

Herkunfts- und bildungsspezifische Einflüsse bei der Ausprägung von Werten

Welche Werte junge Männer in der Schweiz ausbilden, hängt zum einen von deren Ausbildung, zum anderen von deren familiärer Herkunft ab. Beide Einflussfaktoren sind je nach Art der untersuchten Werte und im Verlaufe der Zeit unterschiedlich bedeutsam. Für die Ausprägung von Pflicht- und Konventionswerten hat die sozial benachteiligte Herkunft zwischen 2010/11 und 2014/15 leicht an Bedeutung verloren. Etwas gestiegen ist hingegen die Bedeutung der Ausbildung. Auch für die Ausprägung traditioneller Werte scheint die eigene Ausbildung etwas an Bedeutung zu gewinnen. Für die Ausprägung idealistischer und materialistischer Werte bzw. die Kombination dieser Werte in unterschiedlichen Wertetypen zeigt sich: Junge Männer aus sozioökonomisch benachteiligten Familien und ohne Ausbildung auf Sekundarstufe II sind weniger oft Materialisten, dafür öfters Zögerliche. Dieser Effekt hat sich im Vergleich zur Erhebung 2010/11 verstärkt.
(weitere Informationen in YASS-Band 2, 2019, S. 112ff)

Gesundheitskompetenz der jungen Erwachsenen in der Schweiz

Die jüngsten Ergebnisse der YASS-Befragung 2014/15 zeigen, dass die Gesundheitskompetenz der jungen Erwachsenen seit 2010/11 relativ konstant geblieben ist, in der Tendenz jedoch eher zugenommen hat. So ist etwa der Anteil jener, die gute von schlechten Internetquellen zu gesundheitsrelevanten Themen nur schlecht voneinander unterscheiden können, leicht zurückgegangen. Zudem geben 2014/15 deutlich mehr junge Erwachsene an, Beipackzettel von Medikamenten sehr gut oder gut zu verstehen. Wie bereits 2010/11 zeigt sich, dass junge Frauen ihre Gesundheitskompetenz signifikant höher einschätzen als die jungen Männer. Deutlich wird darüber hinaus, dass sowohl der Bildung als auch der familiären Herkunft eine Bedeutung bei der Entwicklung von Gesundheitskompetenz zukommt.
(weitere Informationen in YASS-Band 2, 2019, S. 52ff)

Subjektiver Laufbahnerfolg ehemaliger Sonderklassenschüler

Ehemalige Sonderklassenschüler sind grundsätzlich zufrieden mit der gegenwärtigen Ausbildung bzw. Arbeitsstelle dies zeigen die Ergebnisse der YASS-Befragung 2014/15. Sie sind auch vergleichsweise «zufriedener» als ehemalige Schüler aus Regelklassen, die auf der Sekundarstufe II eine zertifizierende Ausbildung absolvieren. Besonders die Berufslehre mit EBA scheint aus der Sicht der ehemaligen Sonderklassenschüler ein Erfolgsmodell zu sein. Diese subjektiv teils positiven Beurteilungen des Laufbahnerfolgs der Sonderklassenschüler dürfen jedoch nicht über das Hauptproblem hinwegtäuschen: Der Anteil Sonderklassenschüler, die überhaupt eine zertifizierende Ausbildung abschliessen, ist zu tief. Hier braucht es verstärkte Anstrengungen, auch von Seiten der Schule.
(weitere Informationen in YASS-Band 2, 2019, S. 43ff)

YASS-Monitor

Als Neuheit gibt der YASS-Monitor in einem letzten Teil einen Überblick über Haltungen und Einstellungen junger Erwachsener in der Schweiz. In kurzer und prägnanter Form werden ergänzende Ergebnisse der zwei Erhebungen dargestellt. Eine Zusammenfassung listet die Befunde in kurzen Sätzen auf, bspw. «Die häufigste zu Hause gesprochene Nicht-Landessprache ist Englisch.» oder «Ein hoher Lebensstandard gilt generell als erstrebenswerter, als Macht und Einfluss zu erlangen.».
(weitere Informationen in YASS-Band 2, 2019, S 182ff)

Informationen finden Sie unter: www.chx.ch/YASS

Ziel

Ziel des neuen «Young Adult Survey Switzerland» der Eidgenössischen Jugendbefragungen ch-x ist es, einen empirisch und interdisziplinär abgestützten Einblick in die Bildungsbiographien, Lebensverhältnisse sowie die gesellschaftlichen und politischen Orientierungen der jungen Erwachsenen in der Schweiz zu erhalten, mögliche Veränderungen zu erfassen und damit Trends und Tendenzen bei den 19-jährigen Schweizerinnen und Schweizern aufzuzeigen.

Folgende Themenbereiche stehen dabei im Fokus

  • «Bildung, Arbeit und Beruf»,
  • «Gesundheit und Sport»,
  • «Politik und zivile Verantwortung»,
  • «Werte und Wertorientierungen» und
  • «Capabilities und Lebensperspektiven».

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